Harlekination |
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Harlekin ueber Barcelona: Das taegliche Leben
Farbenstolz
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich diesen Juni zum ersten Mal bei einer Gay-Pride mitgelaufen bin. Ich wollte immer in den grossen Metropolen leben, wegen ziemlich vielem, was es da zu erleben gibt, jenen paar Tagen im Jahr, wo explizit und kollektiv Freiheit zelebriert werden, nicht. Ein Stueck weit zeigt das, dass ich da, wo ich lebe, alles habe, was fuer mich persoenlich an Freiheit wichtig ist. Ein Stueck weit erzaehlt es davon, dass ich misstrauisch werde, wenn Massen sich mit Schlagwoertern identifizieren. Vielleicht erzaehlt es auch von einem Rest Verkapptheit meiner selbst. Ich fand es lange Zeit schwierig, meine Identitaet innerhalb der Gay-Community zu behalten. Die Klischees sind da oft so stark vertreten und manifestiert, dass man selber entweder untergeht oder einfach einverleibt wird, war mein Gefuehl. Vielleicht fand ich auch unbewusst, dass ich durch mein Geburtsdorf zu marschieren haette, nicht durch Zuerich, Paris oder Barcelona. Dieses Jahr fragte mich ein Freund, der aus Georgien kommt, ob ich ihn durch den Umzug begleite und Fotos machen koenne. Er ersucht Asyl in Spanien wegen Verfolgung homosexueller Identitaet in seinem Heimatland, ein georgisch-spanischer Praezedenzfall. Es hilft, wenn man seine Homosexualitaet dokumentieren kann, was immer das genau heisst. So haben wir den Marsch von der Placa Universitat ab gemeinsam gemacht. Er rief die ganze Zeit Poster! Poster!, wenn es Gruppen hatte, die Plakate mit politischen Forderungen hochhielten. Ich rannte dann durch 35 Grad Hitze voraus, er posierte, ich knipste und die Masse hat sich vorwaerts bewegt. Irgendwann kamen wir an der Plaa Espanya an und haben gefeiert. Ich ignorierte, dass ich den Moderator auf der Buehne eine Zumutung fuer die gesamte Menschheit fand, homo-hetero-trans-und-den-Rest, irgendein drittplatzierter Spanien-Music-Star. Ich habe mir den Spass nicht selber verdorben, auch ich lerne. Der Tag hat mich sehr beruehrt. Es war schoen, M. so gluecklich und stolz zu sehen. Ein bisschen habe ich Harvey Milk gespuert auf diesem Marsch. Die Regenbogenfarben habe ich genossen, auch jene, die man uns auf den Oberarm gepinselt hat. (Ich bin immer erheitert, wenn ich das Farbspektrum anschaue, das war schon so, als ich noch in der Schule Farbschachteln spitzte.) Ich habe mich auch ueber meinen eigenen Weg gefreut, dass ich es hierhin geschafft habe, trotz all meiner Konflikte mit mir in der schwulen Welt. Ich bin ein Teil davon und heute zufrieden damit, gebe meinen Senf zum Ganzen, egal wie gross die Mehrheit, auch jene innerhalb der Minderheit.
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